Eine Tüte Anstand und ein Klick auf 'Speichern unter'
Es ist schon bemerkenswert: Der Erklärbär widmet uns “Trollen” gefühlt 600 Wörter, um zu erklären, dass wir ihm eigentlich wumpe sind und er keine Energie für uns hat. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie ein Fasten-Tagebuch, das ausschließlich aus detaillierten Beschreibungen von Schwarzwälder Kirschtorten besteht.
Aber wenn wir schon bei der “Energie” und den Fakten sind, erlauben wir uns drei kleine Anmerkungen zu seinem Text:
Er schreibt, er hätte unseren Blog “rechtssicher gespeichert”. Das klingt wahnsinnig professionell, ist technisch gesehen aber eher ambitioniert. Ein einfacher Screenshot oder das Speichern einer HTML-Seite reicht vor Gericht kaum aus, da digitale Inhalte manipulierbar sind wie Knetgummi. Ohne qualifizierte Zeitstempel, kryptografische Signaturen oder einen Notar, der daneben saß, hat er lediglich ein digitales Souvenir erstellt. Aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge (oder in diesem Fall: Dateien).
Er wirft uns vor, wir würden “irgendwas von Schlägertrupps plappern” und rät uns zu einer “Tüte Anstand”. Das ist besonders charmant, wenn man bedenkt, dass er die Quelle zu dieser ziemlich exzentrischen Wortwahl sogar noch selbst verlinkt hat. Es ist schon eine rhetorische Meisterleistung, uns vorzuwerfen, wir würden die Begriffe benutzen, die uns quasi auf dem Silbertablett serviert wurden. Wer den Geist aus der Flasche lässt, sollte sich nicht wundern, wenn er danach über die Dekoration meckert.
Sein Appell, man möge sich “eine Tüte Anstand kaufen”, wirkt ein wenig deplatziert, wenn er im selben Absatz steht wie die rhetorische Glanzleistung: “Wie sehr hat man euch denn ins Gehirn geschissen?” Wenn das sein “ehrliches Herz” ist, von dem er schreibt, möchte ich ehrlich gesagt nicht wissen, wie sein Puls aussieht, wenn er mal wirklich die Beherrschung verliert.
Wenn er das nächste Mal beschließt, jemanden zu ignorieren, dann sollte er es auch einfach machen. Denn diese Form der “Nicht-Auseinandersetzung” wirkt eher wie ein verzweifelter Ruf nach Bestätigung.
#pdf #speichern unter #energieverschwendung #schwarzwälder kirschtorte #uberrentner
Der vergebene Widerstand gegen die Übermacht der Schnappatmung
Ach herrje, schon wieder eine Tragödie des Internets. Irgendwo hat jemand “alter weißer Mann” geschrieben und es öffnet sich die Büchse der Pandora. Alle Blogs brennen, die Demokratie liegt röchelnd im Straßengraben und irgendwo sitzt ein Blogger im Rentenalter mit einer Tasse Kaffee vor seiner Tastatur und fragt sich, wie die Welt nur so grausam werden konnte.
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Da schreibt jemand öffentlich im Internet. Ein Ort, den es bereits seit ungefähr dreißig Jahren gibt und sogar dafür bekannt ist, dass dort Menschen widersprechen. Und dann passiert exakt das. Empörung tut sich auf.
Aber dieses Mal ist alles anders. Es sind “verbale Schlägertrupps”. Man sieht sie förmlich vor sich stehen. Digitale Einsatzkommandos, die rund um die Uhr durchs Netz patrouillieren, bis sie irgendwo genau diesen einen Blog finden, der es gewagt hat, zu existieren. Und dann springen diese “Schlägertrupps” aus ihren Browser-Tabs und zeigen dramatisch mit dem Finger und schreien laut: “Alter weißer Mann!”.
Ende. Vorhang. Weltuntergang.
Besonders berührend ist dabei die Vorstellung, dass Kritik offenbar nur dann legitim ist, wenn sie so höflich formuliert wird, dass sich garantiert niemand angesprochen fühlt, und wenn doch, dem Blogger die Freudentränen in den Augen stehen. Oder viel besser: Man sendet Triggerwarnungen und einen Blumenstrauß als Entschuldigung im Voraus. Alles andere wäre einfach nur ekelhaft.
Und dann ist da noch dieser Punkt mit der Anonymität im Internet. Wie können Menschen es wagen, anonym im Internet zu schreiben? Ein Skandal! Früher war alles besser. Da standen Menschen mit ihrem vollständigen Namen, Adresse, Kreditkartennummer und Bildern in jeder Kommentarspalte. Blogs und deren Kommentare waren das Woodstock-Festival des Internets.
Aber sind wir mal ehrlich: Das Netz ist einfach überfüllt mit nervigen, polemischen und oft auch ziemlich dummen Aussagen. Das war es schon immer und wird es auch immer sein. Wer öffentlich schreibt, steht mittendrin. Das ist vor allem eins: das Internet.
Klar, man kann natürlich auch so tun, als hätte eine einzelne Phrase eure heile Bloggerwelt zerstört. Das klingt viel heroischer. Der tapfere alte Tastaturcowboy gegen die wilde Horde. Es ist wie David gegen Goliath, nur dass David im Internet meist einfach irgendein gelangweilter Mensch mit einer Tastatur ist, der zwei Wörter ins Internet tippt.
Zusammengefasst: Das Problem, meine lieben Blogger, in einem Netzdiskurs ist nicht, dass Menschen anonym darüber sprechen. Das Problem ist, dass zu viele Menschen glauben, Kritik sei automatisch ein persönlicher Angriff. Denn wer bloggt, stellt seine Gedanken in die Öffentlichkeit. Öffentlichkeit bedeutet eben auch, dass andere antworten dürfen.
Das ist aber noch lange kein “Schlägertrupp”, sondern ein Diskurs. Man kann darüber klagen. Man kann darüber bloggen. Oder man kann akzeptieren, dass Öffentlichkeit manchmal einfach genau so funktioniert.
#alte weiße männer #anonymität #woodstock des internets #verbale schlägertrupps
Vom dramatischen Abgang zum Frühstücks-Comeback
Es ist schon ein faszinierendes Schauspiel digitaler Selbstinszenierung, das hier geboten wird. Da wird der “Fluchtmodus” aktiviert und der Blog mit großem Pathos offline gestellt, nur um keine 24 Stunden später, also nach einer Mütze voll Schlaf und der ersten Tasse Kaffee, triumphal wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Eine “Flucht”, die deutlich kürzer dauerte, als ein durchschnittlicher grippaler Infekt, als heldenhaften Widerstand gegen die dunklen Mächte des Internets zu verkaufen, erfordert schon ein beachtliches Maß an Main-Character-Syndrome.
Besonders unterhaltsam ist die verbale Akrobatik, mit der er versucht, gleichzeitig das Opfer und den unbezwingbaren Fels in der Brandung zu mimen. Unser Erklärbar Nr. 2 betont zwar wortreich, wie sehr ihm die Meinung der “Lauten und Unverschämten” am Allerwertesten vorbeigeht, widmet diesen “Unbekannten” dann aber doch fast den gesamten Text. Es ist die klassische Paradoxie der Bloggeria: Man schreibt einen wütenden Aufsatz darüber, wie wenig man die Kritik beachtet, während man gleichzeitig eine namentliche Dankesliste für die eigene Echokammer (hallo Martin, hallo Daniel) führt. Wer so lautstark verkündet, kein “Fishing for Compliments” zu betreiben, während er die Netze für den nächsten Fang schon wieder auswirft, hat die Dynamik seiner eigenen Außenwirkung offenbar noch nicht ganz durchschaut.
Nach fast zwei Jahrzehnten im Netz sollte man eigentlich eine gewisse Souveränität erwarten. Stattdessen erleben wir hier eine digitale Schnappatmung, die in einer impulsiven Löschaktion gipfelt, nur um kurz darauf die Rückkehr als moralischen Sieg zu feiern, vor allem, nachdem man sich in der eigenen Forenblase so richtig schön ausgeheult und ganz viel Bestätigung geholt hat. Dass jede kritische Nachfrage sofort als bösartiges “Zerlegen” umgedeutet wird, dient dabei als bequemes Schutzschild. So muss man sich inhaltlich nicht mit Gegenwind auseinandersetzen, sondern kann sich gemütlich in der Rolle des missverstandenen Individualisten einrichten, der “keine Maschine” ist, aber die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie erschreckend routiniert bedient.
Am Ende bleibt der Eindruck eines gut choreografierten Wutanfalls. Die “Pause”, die angeblich nötig war, um Druck aus dem Kopf zu nehmen, entpuppt sich als bloßes Luftholen für die nächste polemische Breitseite. Es scheint fast so, als bräuchte unser Erklärbär den Konflikt, um überhaupt noch einen Grund für das 19. Jahr Blog-Bestehen zu finden. Man darf gespannt sein, ob das nächste “Exil” wenigstens bis zum Abendessen hält oder ob er sich endlich psychologische Hilfe für seinen psychischen Knacks holt und seine Pause für etwas Positives nutzt.
#erklärbär #alte weiße männer #uberrentner #comeback
Alte weiße Erklärbären dulden keine anderen Erklärbären neben sich
Je älter jemand wird, desto mehr mutiert er zum Erklärbären. Manche junge Politikerin würde ihn als “alter weißer Mann” bezeichnen. Besonders in der IT sind diese Erklärbären zuhauf vertreten. Sie alle haben mit <hier uraltes System aus dem Computermuseum einfügen> angefangen und sich ohnehin alles selbst beigebracht. Und die junge Generation hat auch gar keine Ahnung, weil ihr natürlich die Erfahrung und der Weitblick fehlen.
Erklärbär Nr. 1 fängt also an, sich über Menschen ohne Weitblick zu beschweren. Die haben auch gar keine Ahnung, welche Software Menschen in Unternehmen zwingend brauchen. Natürlich sind die Microsoft-Produkte ausschließlich im Gesamtpaket sinnvoll, da schließlich jedes Unternehmen die Gesamtpalette aller Microsoft-Produkte zwingend benötigt. Geht auch nicht anders.
Die (Open-Source-)Alternativen? Alles nur Kinderkram. Nicht ausgereift, hässlich, dumm, der Feature-Umfang reicht im Leben nicht an die Microsoft-Produktpalette. Außerdem ist der Hass, der Microsoft entgegengebracht wird, einfach nur kurzsichtig. Damit haben wir schließlich schon immer gearbeitet. Das bleibt jetzt gefälligst so, da sich die alten weißen Männer keineswegs mehr weiterentwickeln möchten!
Daraufhin steigt Erklärbär Nr. 2 direkt mit ein und erklärt schon in der Überschrift, dass die Toleranzschwelle der alten weißen Männer ungefähr der des Bretts vor der eigenen Stirn entspricht.
Seiner Toleranz geht es sogar gegen den Strich, dass Menschen ihm jetzt im Internet an jeder Stelle eine Korrektur zukommen lassen können, wenn er mal wieder selbst falsch liegt. Wahrscheinlich stammt er noch aus einer Zeit, in der man Pressemitteilungen per Fax verschickt hat und die Kommunikation eher eine Einbahnstraße war. Aber natürlich ist er “modern” und hat jetzt Kommentare auf seinem Blog. Aber nur die, die nicht von anderen Erklärbären kommen. Ansonsten kämpft die Erklärbärtruppe geschlossen gegen die Jugend. Die muss schließlich falsch liegen, ihr fehlt schließlich die Erfahrung, was richtig oder falsch ist.
Da die Rentnergruppe allerdings auf ihrer Terrasse nicht allein ist, kommt noch der Erklärbär Nr. 3 aus dem Nebenzimmer des digitalen Altenheims um die Ecke und kommentiert nicht nur umfangreich, sondern applaudiert selbstverständlich noch einmal dazu.
Allerdings hat er natürlich sein altes MacBook schon auf Linux umgestellt, obwohl er es nicht nutzt. Er muss doch schließlich genau wissen, wovon die Kids von heute so sprechen.

Zufrieden vom ganzen Rummel musste sich Erklärbär Nr. 1 selbstverständlich auch erneut zu Wort melden, um die anderen alten Erklärbären zu bestätigen und jedweden Widerspruch ihrer Aussagen zu kritisieren.
Leser-Feedback Nr. 1:
Ich ziehe meinen Hut vor diesem diplomatischen und dennoch sehr deutlichen Rant. Gleichzeitig freue ich mich, wieder Neues aus dem Rantgebiet zu lesen.
Ich habe genannte Personen aus meinem Sichtfelf entfernt, da ich mich jedesmal geärgert, wenn ich wieder Kopfschmerzen vom Augendrehen über deren Hirnbrei bekam.
#erklärbär #alte weiße männer #uberrentner
Meine Bubble, deine Bubble
Kennt ihr diese Blogger, die glauben, dass sie als einzige das gesamte Ausmaß der Tragödie überblicken können?
Oliver ist so einer. Oliver glaubt, dass alle um die Mastodon- und BlueSky-Blasen herum noch bei X seien. Nur dort findet außerhalb noch die Diskussion statt.
Die doofen Linken sind ohnehin viel zu woke, um zu verstehen, dass nur das anti-woke Netzwerk von Elon Musk “die guten Inhalte” hat:
Seriosität hängt nicht vom Kanal ab, sondern vom Inhalt
Das sieht die Bloggeria anders. Denn hier auf diesem Blog kommt die Seriosität nämlich nicht vom Inhalt, den sie partout nicht widerlegt bekommen. Die Seriosität hängt hier nur davon ab, dass sie nicht wissen, wer hier schreibt.
So ist es auch auf X: Je mehr Accounts es gibt, die sich hinter ihrer Anonymität verstecken, desto mehr wird der Inhalt egal. Damit auch die Plattform.
Was Oliver dabei aber vergisst, ist, dass die eigentliche – für die Masse da draußen wichtige – Kommunikation, auf Instagram und TikTok stattfindet.
Vielleicht besinnt er sich ja noch darauf, dass alle Netzwerke mehr oder weniger wichtig und unwichtig zugleich sind.
Und wo wir eben bei Woke waren: Kalle wichst auch geil für Genderschuhe oder so was in der Art.
Hier haben wir eigentlich nur einen kleinen Tipp: Solange du keine Groß- und Kleinschreibung beherrschst, solltest du niemandes Sprachgebrauch beurteilen, sondern an deinem eigenen arbeiten.
Wie man mit Fehlern umgeht
Da wir hier ja viel über Fehler reden, die jedem passieren können, gibt es ein Beispiel vom Klimablog, wie sie damit umgehen.
Liebe Bloggeria, davon könnt ihr euch ein paar Scheiben abschneiden.
Zwischen Kritik, Gefühlen und der Anonymität
Unser geliebtes Forum ist in Aufruhr und es gibt wieder einen Blogpost von den Menschen, die viel zu oft mit dem Herzen denken und bei denen das Gehirn wahrscheinlich wieder auf Warteschleife hängt.
Grundsätzlich habe ich nichts gegen Kritik.
Ach Mensch, wenn das mal jeder so sehen würde.
Auch harte Kritik kann wichtig und notwendig sein. Verrisse haben ihren Platz, wenn sie sich ernsthaft mit Inhalten auseinandersetzen, wenn sie benennen, begründen und Haltung zeigen.
Na, sieh mal einer an, das mit den Verrissen kommt mir doch bekannt vor.
Was mir hier jedoch begegnet, fühlt sich anders an.
Da geht es schon los mit den Gefühlen.
Es wirkt weniger wie Interesse an Themen oder Entwicklungen und mehr wie das Bedürfnis, sich über andere zu stellen, als müsse man andere kleinmachen, um sich selbst größer zu fühlen.
Groß wird man nicht, indem man sich selbst groß macht, sondern weil andere einen auf ein Podest stellen.
Besonders irritierend ist es, wenn die Doppelmoral offen zutage tritt. Es werden Eigenschaften kritisiert, die im eigenen Text reproduziert werden. Feigheit wird anderen vorgeworfen, während man selbst anonym bleibt.
Die Anonymität dient hier einfach dazu, der Bloggeria ihren eigenen Spiegel vorzuhalten. Wäre es nicht anonym, hätte die Holzhammer-Methode keinerlei Auswirkungen.
Fehlende Haltung wird beklagt, während man sich jeder echten Verantwortung entzieht.
Welche Verantwortung meinst du? Dieses Blog hat keinen Lehrauftrag, obwohl es einigen Lesern echt guttäte.
Offenheit wird gefordert, doch der Dialog wird konsequent verweigert.
Was meint ihr denn, was das hier ist? Der Dialog findet doch gerade statt. Ihr schreibt etwas, wir schreiben etwas.
Das wirkt nicht wie Analyse, sondern wie Projektion.
Wie etwas wirkt, ist jedem selbst überlassen. Doch statt Projektion wäre hier das Wort “Reflexion” angemessener. Wir reflektieren hier nur, was wir lesen und projizieren nicht irgendwas Fremdes auf das, was ihr ins Internet schreibt.
An diesem Punkt fällt es mir schwer, solche Texte noch als Kritik zu lesen. Sie folgen weniger dem Wunsch nach Austausch als einem bekannten Trolling-Muster: provozieren, abwerten, verschwinden.
Provozieren: Ja. Nur damit fängt die Bloggeria auch mal an, nachzudenken.
Abwerten: Nein.
Verschwinden: Wir sind hier. Ihr findet uns jederzeit, wenn ihr darüber bloggt. Wir wissen, dass es euch am meisten stört, wenn ihr eure Meinung nicht einfach nur hier in die Kommentare kotzen könnt, sondern ihr euch öffentlich damit auseinandersetzen müsst. Und nur damit zeigt ihr der Welt am Ende euer wahres Gesicht.
Uns schrecken nicht die kritischen Kommentare ab, sondern die, die wir auf euren Posts sehen, in denen ihr euch gegenseitig Zucker in den Allerwertesten blast.
In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Elite” verwendet. Er suggeriert Abschottung, Macht und Überlegenheit.
Was passiert, wenn sich Blogger in einem teil-geschlossenen Forum austauschen? Was suggeriert das? Braucht ihr die Erklärung mit einem Zaunpfahl ins Gesicht oder findet ihr es selbst heraus?
Ich habe mich gefragt, warum mich solche Texte früher stärker getriggert haben als heute.
Das nennt sich im Volksmund “Alter”.
Was mich dennoch nachdenklich stimmt, ist der Umgangston. Im Netz wird oft vergessen, dass auf der anderen Seite des Bildschirms in den meisten Fällen ein Mensch sitzt. Kein abstraktes Feindbild, keine anonyme Masse, sondern ein Mensch mit Erfahrungen, Gedanken und Verletzlichkeit. Worte verlieren nicht ihr Gewicht, nur weil man sie anonym ins Internet tippt. Sie treffen trotzdem.
Stellen wir die Frage mal andersherum: Wenn Worte nicht treffen würden, welchen Sinn hätten dann eure Blogs? Ihr schreibt das ja nicht ins Internet, damit es niemand liest. Nein, ihr schickt den Link sogar in ein Forum, auf eure Social-Accounts und in Blogger-Ringe. Das klingt schwer danach, als sollten eure Worte treffen. Egal wen oder was, denn die Verteilung findet mit einer Schrotflinte statt.
Wir posten es auf einem anonymen Mastodon-Kanal ohne Follower. Keine Schrotflinte. Und trotzdem verfehlen wir offenbar unser Ziel nicht.
Es ist vielleicht naiv, sich eine respektvollere Diskussionskultur zu wünschen.
Was bedeutet “respektvoll” eigentlich? Im Duden finden wir dazu folgende Erklärung:
- auf Anerkennung, Bewunderung beruhende Achtung
- vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung empfundene Scheu, die sich in dem Bemühen äußert, kein Missfallen zu erregen
Der erste Punkt trifft hier nicht zu, da hier niemand niemanden anderes bewundert. Aber der zweite Punkt ist doch schon ganz interessant, denn offenbar geht es euch darum, bloß niemandem auf die Füße zu treten. Woher kommt diese Scheu vor Konflikten?
In einer respektvollen Diskussion kann es auch mal laut werden, ohne dass man sich direkt “hasst”. Ein Ziel einer respektvollen Diskussion kann es auch sein, die Meinung des anderen zu akzeptieren, auch wenn es nicht der eigenen Meinung entspricht.
Man kann sich bewusst dafür entscheiden, anders zu schreiben, anders zu reagieren oder sich bewusst nicht auf jedes Spiel einzulassen.
Da fehlt noch ein Punkt: die Fehler eingestehen. Der Punkt fehlte bisher in der gesamten Diskussion.
Wir zitieren hier im Blog sehr gerne unsere Quellen und verlinken sie auch, damit alle Leser unsere Punkte nachvollziehen können. Scheinbar ist euch euer Spiegelbild aber etwas zuwider. Anders können wir uns die Reaktionen nicht erklären.
Der Spiegel, den wir euch hier bieten, ist nicht der “Spiegel Nerhegeb” (rückwärts “Begehren”) aus Harry Potter, in dem ihr das seht, was ihr begehrt. Hier seht ihr die Realität, und die kann manchmal verstörend und hart sein.
Für mich bleibt am Ende die Frage, welche Art von Raum wir im Netz sein wollen.
Du bist kein Raum. Du kannst dich in einem Raum aufhalten. Du kannst den Raum auch schaffen. Aber weder du, noch wir oder “ihr” seid der Raum. Der Raum ist bereits da. Wussten das deine beiden “Lektoratsschäfchen” nicht?
Abschließend können wir nur dazu sagen: Bitte denkt erst über das Gelesene nach, bevor ihr zu schnell urteilt und Menschen Sachen vorwerft, die sie nie getan haben.
#kritik #gefühle #anonymität #konflikte
So wenig Arsch in der Hose
Ist das nicht schön? Jonathan Guggenberger wünscht sich in der TAZ, dass es wieder mehr Verrisse und faktenbasierte Kritiken in den Feuilletons, dafür aber weniger faktenfreie Clickbait-Schreiereien gibt.
Selbstbewusste, elegant geschriebene, mit unerwarteten Thesen. Nur so können wir uns gegen unsere gut klickenden Todfeinde behaupten.
Stimmt. Aber was macht die selbst ernannte Blog-Elite?
Die schreibt nicht etwa direkt über die Themen, die sie nerven, sondern versucht schwammig, um den heißen Brei zu reden:
Noch eine Lektion über Menschen gelernt und welche (niveaulosen) Formen es annehmen kann. Und das nicht einmal in den asozialen Medien, sondern auf einem eigenen, hüstel, Blog. Einige Mitmenschen sind ernsthaft von harmlosen Foren, Blogparaden, KI-Themen, Outings zu Krankheiten im Fediverse massiv getriggert. Da bekommt man fast schon Mitleid. Wie traurig und langweilig muss das eigene Leben doch sein, um Zeit in solch ein Werk zu investieren? Ich kann verstehen, dass einen gewisse Dinge auf Blogs nicht interessieren. Dann geht doch einfach weiter. Alles andere ist, sorry, Kindergarten Deluxe.
Wer damit wohl gemeint ist? Das verrät uns der Autor natürlich niemals freiwillig, sondern versteckt es hinter nicht-öffentlichen Posts auf Mastodon:
Wie traurig muss dass eigene Vegetieren sein, wie viel Langeweile muss man haben, um einen solchen Blog aufzusetzen? Natürlich anonym, Arsch in der Hose ist Fehlanzeige.
Sollte der Betreiber unter meinen Followern sein, entfolge mich, blocke mich.
rantgebiet.de
Natürlich müssen wir nicht unter deinen Followern sein, aber alles hinter eurem Tellerrand, also alles, was ihr euch freiwillig ausblendet, existiert weiterhin.
Aber eine kurze Anmerkung für dich, lieber Herr Tommi: Dafür, dass du deine KI für nahezu alles auf deinem Blog verwendest, könntest du sie vielleicht auch dazu ermuntern, deine Rechtschreibung und Grammatik in deinen Mastodon-Posts zu kontrollieren. Es heißt nämlich “das eigene Vegetieren” (“das” statt “dass”), “entfolge mir” statt “entfolge mich” und “blockiere” statt “blocke”.
Glücklicherweise wirft er uns vor, keinen Arsch in der Hose zu haben. Gut, dann schreib doch dazu, wen du meinst, wenn du jemanden angreifst. Es muss ja nicht die Wohnanschrift des Empfängers sein. Es reicht ja schon, welche Inhalte du meinst. Dann wissen auch deine Leser Bescheid, die dir 20 Sekunden nach dem Teilen des Links in deinem Lieblingsforum schon ein Herzchen dranklatschen und den Artikel nur überflogen haben.
Das ist dann wohl der Punkt, den Jonathan im TAZ-Artikel anspricht, und er gibt dir sogar noch einen kostenfreien Tipp für mehr Leser dazu:
Jeder, der Plattform-Algorithmen aus eigener Erfahrung und nicht nur aus Fortbildungsseminaren kennt, weiß, dass diese am liebsten dahin steuern, wo die Kontroverse am spannendsten ist.
Definition über eine Krankheit
Habt ihr mal gelesen, was im Fediverse (manche nennen es nur Mastodon) mit Krankheiten los ist? Es fühlt sich dort manchmal wirklich an wie im Wartezimmer einer Arztpraxis, wenn die Mitteilungsbedürftigen loslegen, wie stolz sie doch darauf sind, neurodivergent zu sein.
Da wird inzwischen sogar gefeiert, wenn bei einem Kind Autismus festgestellt wird. Als hätte die Welt keine anderen Probleme mehr, als “besonders oft anders” zu sein.
Ein Forum für Blogger - das klingt schon verkehrt
Das Kreiswichsen der Bloggeria geht weiter. Ironischerweise in einem Forum, das sich “Bloghexen” nennt, und es passt wie die Faust aufs Auge. Hier treiben sich nicht nur Bloggerinnen herum, sondern auch ganz viele männliche Vertreter. Die aber, wenn man sich die Posts genauer ansieht, auch nur herumkeifen und dabei grün genug werden, um der Hexe aus dem Osten echte Konkurrenz zu machen. Ihr wisst schon: “The Wizard of Oz” und so.
Dort entstammt auch das Geschlecht des “Mein Blog, meine Regeln”-Adelsgeschlechts, die dort monatlich verkünden, worüber man sich gefälligst als Nächstes einen Artikel mit KI zusammenfantasieren lassen soll.
Diesen Monat ganz frisch: “Was ist deine größte Herausforderung beim Bloggen?”
Ich wüsste da schon was: Hirn und Arsch in der Hose.
Die frisch generierte Scheiße wird natürlich auch schnell noch ins Forum gekotzt, damit die anderen sehen, dass man sich auch besonders wenig Mühe gegeben hat. Natürlich nicht ohne den Footer, in dem stehen muss, welche körperlichen und geistigen Probleme man so hat. Das war schließlich schon Anfang der 2000er immer besonders wichtig.
Und genau aus dieser Zeit wirkt auch der Ursprung des Forums. Man hält sich für besonders wichtig, hat aber alles. Außer echter Reichweite. Nein, die 5000 Reloads eurer 40 aktiven Mitglieder sind keine Reichweite.
Aber macht ruhig weiter mit “Wir lassen uns nichts diktieren, diktieren aber gerne den anderen alles”.